Warnhinweis

April 13, 2015

Warnhinweis – warum Sie diese Website nicht/nur mit Vorsicht lesen sollten:

Viele Bücher über Trauma sind für Therapeuten geschrieben, oftmals steht im Anfang “nicht für Patienten, geben Sie dieses Buch Ihrem Therapeuten”.

Ich denke, da geht ja die Bevormundung weiter, die die Täter schon mit einem getan haben. Bloß nicht selber denken. Ich selbst lese mit höchstem Interesse Bücher “für Therapeuten” obwohl ich keiner bin und auch keiner werden möchte. Die Lektüre fand ich höchst spannend, nun weiß ich wenigstens, warum mir so viele Therapeuten nicht helfen (konnten).

Allerdings möchte ich auf eine Begründung, solche Texte als Betroffener zu vermeiden, hinweisen.

Es könnte einem vorgeworfen werden, woran man sich erinnert, stammt nicht aus eigener Erfahrung, sondern aus dem, was man gelesen/gesehen/gehört hat.

Dies ist natürlich ein Täterargument. Ich weiß sehr wohl, was mir persönlich passiert ist und was ich wonanders gelesen habe.

Allerdings weiß ich auch, dass wir als Überlebende natürlich selbst nicht wollen, dass das passiert ist, was uns da einfällt. Da kann man aus Verzweiflung schon nach allen möglichen Erklärungen suchen, die einem sagen, dass “es nicht wahr ist”.

Zusätzlich reden Täter ihren Opfern gezielt ein und arbeiten dabei mit vielen Mitteln (wie Folter, Horrorfilmen, die man unter Folter ansehen muss), dass das, was sie mit einem tun:

– nie passiert sei

– nur ein Traum war

– ein Film war den man gesehen hat

– aus einem Buch stammt

anders geschehen ist als man erinnert

Diese Argumente werden dann auch vor Gericht von Täterseite benutzt.

Das führt dazu, dass immer, wenn einem eine Erinnerung bewusst wird, sofort etwas reagiert, was einem auf die eine oder andere Weise sagt: “das ist nicht passiert”. Dieses Programm lässt sich abschalten. Erinnern Sie sich daran, wie diese “Information” in Ihren Kopf gekommen ist. (Das wird meistens unschön, da da schlimme Folter sehr junger Kinder im Spiel ist. Aber man zweifelt hinterher nicht mehr den eigenen gesunden Menschenverstand an, sondern den der Täter.)

Ich denke, dass ein jeder trotz aller Programmierung doch eigentlich immer “weiß”, was passiert ist und was nicht. Trauen Sie sich selbst. Wer denkt sich so etwas schon aus?

Ich hätte sicher schönere Ideen, meine Fantasie walten zu lassen als die Horrorgeschichten, die mir da einfallen!

Man kann dennoch ERST aufschreiben, was man als Erinnerungen im Kopf hat und sich DANN belesen.

Wenn Sie sich Ihrer eigenen Erinnerungen (noch) nicht sicher sind, schreiben Sie zunächst einmal auf, was Sie denken, was geschehen ist. Dann belesen Sie sich hinterher.

Dies war die von mir gewählte Vorgehensweise und ich fand meine eigenen Erinnerungen grundsätzlich in Fachtexten bestätigt. Dabei half mir psychisch sehr, zu wissen, dass ich aufgeschrieben habe, dass mir etwas passiert war, bevor ich es woanders gelesen hatte, dass Menschen anderen Menschen so etwas antun.

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